Isabelle Schwander
07 Feb
07Feb

Familie Hagen / Seit drei Generationen brennen sie Schnaps, neu auch Whisky.

HÜTTWILEN - Weil er keine übertriebenen Erwartungen an den freien Markt stellt, sondern die Vermarktung sukzessive angehen will, ist «Hüttwiler Whisky» erst in der Startphase. Ueli Hagen beobachtet allgemeine Markttendenzen und sucht noch die für ihn geeigneten Ver-marktungsideen und eine Pro-duktelinie, damit dereinst sein Whisky zu einer Nischenspezialität mit hoher Wertschöpfung wird. Der «Seehof», so der Name des 20 ha grossen IP-Betriebes mit Milchwirtschaft und Ackerbau von Ueli Hagen liegt in der Talzone, 438 m ü. M. Seit 1991 bewirtschaftet er den «Seehof». Seine wichtigsten Kulturen sind die Karotten und Zuckerrüben. Ueli Hagen übernimmt in Lohnarbeit jeweils im Frühjahr für rund zwei Monate Aussaatarbeiten.


Sein eigener Herr und Meister sein

Der «Seehof» befindet sich inmitten des Seebachtals, einem Wander- und Naturschutz-gebiet, welches von drei kleinen Seen umgeben ist. Noch im Dezember zeigen sich auf dem Weg zum «Seehof» auf verschiedenen Ackerflächen übrig gebliebene Karotten, die von der Erntemaschine ausgeschieden wurden. Damit wird eine wichtige Einnahmenquelle der Familie Ueli und Verena Hagen er-sichtlich. Eine «Seehof»-Spezialität ist Lagergemüse für die industrielle Verarbeitung. Obwohl gerade derzeit das Bild der Landwirtschaft da und dort als besonders aussichtslos dargestellt wird, würde vielleicht der eine oder andere Angestellte Ueli Hagen beneiden.


Milchproduktion wird rationalisiert

Grossen Stellenwert nimmt bei ihm die Milchwirtschaft ein: Im Stall stehen 22 Brown-Swiss-Kühe. Die Aufzucht erfolgt auswärts, er betreibt einen reinenMelkbetrieb. Während immer mehr Bauern sich von der Milchproduktion verabschie-den, wird für den «Seehof» gerade das Gegenteil geplant: Ueli Hagen will in einem rationelle-ren, neuen Stall seinen Tierbestand ausdehnen. Im Gegenzug dazu soll die Karottenproduktion redimensioniert werden. Als eine seiner Stärken bezeichnet Ueli Hagen die handwerkliche Begabung und wann immer rund um Haus und Hof etwas renoviert oder saniert werden musste und muss, waren seine Brüder, ausgebildete Maurer und Schlosser, helfend zur Stelle. Dies wird auch beim Neubau des Stalles der Fall sein. In den Wintertagen verläuft vieles beschaulicher: Ueli Hagen verbringt viel Zeit bei der Arbeit rund um die Lohn- und Gewerbebrennerei und seine Frau ist intensiv mit dem 8 Monate alten Töchterchen Rebecca beschäftigt.


Ueli Hagen brennt Whisky. Damit verspricht er sich für seinen Betrieb Zukunftspotential.


Landwirte haben weltweit die gleichen Anliegen

Ueli Hagen, dessen Frau eine ausserbetriebliche Teilzeittätigkeit ausübt, sieht für seinen Hof Zukunftschancen, räumt aber «Optimierungspotenzial steckt in jedem Betrieb, aber irgendwann stösst man bei der Betriebsgrösse an die Grenzen. Insbesondere weil es fast nicht möglich ist, zu einem normalen Preis Pachtland zu erwerben. Meine Unabhängigkeit zu wahren, war mir immer wichtig. Finanziell beweglich zu bleiben, damit einem die Schuldenlast nicht erdrückt, ist das A und 0 für die Bauernfamilien.» Vor zwei Jahren gönnte sich das Ehepaar Ferien in Neuseeland. Mit der Familie in Kanada, wo er 1986 während sieben Monaten auf deren Farm mitarbeitete, ist er bis heute freundschaftlich verbunden. Kontakte mit kanadischen und neuseeländischen Berufskollegen sind ihm wichtig, sie liefern neue Ideen und sind hilfreich: «Obwohl dort alleine die Flächendimensionen zur Schweiz so immens anders sind, erweitert es immer den persönlichen Horizont und zeigt mir auf, dass unseren Berufsstand im Grunde weltweit die gleichen Anliegen verbinden.»

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