Vincent Flück
29 Nov
29Nov

Destillerie Hagen stellt pro Jahr etwa 400 Liter Whisky her - Pro Senectute Dachsen macht Degustationsausflug 

Ueli und Verena Hagen haben mit ihrem Whisky Erfolg. Regelmässig besuchen Gruppen ihren Thurgauer Bauernhof und lassen sich das berauschende Getränk erklären.


Whisky aus der Schweiz? Bis im Jahr 1999 war das nicht möglich. Getreide und Kartoffeln durften nicht verschnapst werden, sondern mussten als Grundnahrungsmittel zur Verfügung stehen. Doch mit der Grenzöffnung für ausländische Landwirtschaftserzeug-nisse kam die Wende. Damit die bedrängten inländischen Bauern neue Absatzmöglichkeiten erhielten, wurde das Verbot aufgehoben.


Traditionelle Schnäpse sind etwas aus der Mode gekommen. Der Whisky dagegen ist hoch im Kurs.


Ein Mann, der die neuen Möglichkeiten von Beginn an nutzte, war Ueli Hagen. Auf dem Seehof, unweit des Hüttwilersees im Thurgauer Seebach-tal, betreibt er in dritter Generation eine Lohnbrennerei. Bauern aus der Region lassen bei ihm ihr Obst bren-nen. Doch weil die Nachfrage nach heimischen Schnäpsen tendenziell sinkt, versuchte es Hagen mit dem schottischen Nationalgetränk. «Viele Leute haben mit Williams Mühe, doch einen Whisky trinken sie gerne», sagt er. Hagens ursprüngliche Idee war eigentlich gewesen, auf dem Hof angebautes Getreide zu verwenden. Doch schnell merkte er, dass es bedeutend billiger ist, fertig gemälzte Gerste (sie-he Kasten) zu verarbeiten. «Unsere eigene Gerste wäre doppelt so teuer.»Verwandt mit Bier Whisky hat in der Herstellung viele Gemeinsamkeiten mit dem Bier. Die gemalzte und geschrotete Gerste wird in grossen Wasserbottichen angesetzt. Bei diesem Vorgang wird die Gerstenstärke in Zucker umgewandelt. Die etwa zehnprozentige Zuckerlösung wird anschliessend mit Hefe versetzt. Beim Bier käme jetzt noch der Hopfen dazu. Doch beim Whisky ist der bittere Geschmack unerwünscht. Bei der nun folgenden Vergärung wandelt die Hefe den Zucker in Alkohol um. Beim Destillieren wird der Alkohol schliesslich aus dem Wasser gelöst. Als klarer, auf acht Grad herabgekühlter Schnaps rinnt er aus Ueli
Hagens Destilliergerät.


Ueli Hagen vor seinem Destilliergerät.


Auf dem Seehof wird der Whisky in Eichenfässern gelagert. Ueli Hagen hat sich für 100-Liter-Fässer aus amerika-nischer Eiche entschieden. «Dieses Holz hat relativ wenig Tannin», sagt er. Vor dem Füllen werden die Fässer je-weils ausgebrannt. Dies gibt dem Whisky einen rauchigen Geschmack und ist mitverantwortlich für die goldbraune 


Anfänglich ist der Whisky klar, ...... 




erst im Keller wird er goldfarben.


Farbe, die der Schnaps im Lauf der Jahre bekommt. Damit er als Whisky bezeichnet werden darf, muss er mindestens drei Jahre gelagert sein. Ueli Hagen hat sich zusammen mit seiner Frau Verena auf den vollständig aus Gerste hergestellten Malt-Whisky speziali-siert. Pro Jahr entstehen rund 400 Liter davon.


1700 Jahre alte Mooreiche
Eine Spezialität des Hauses ist der «Whisky Oak spezial». Bei der Lagerung kommt er in Kontakt mit 1700 Jahre altem Mooreichenholz, das auf dem Seehof beim Bau des neuen Milch-viehstalls gefunden wurde. Andere' Spezialitäten des Hauses - sie haben direkt nichts mit Whisky zu tun - sind der Rüeblischnaps und der Absinth.


Berauschende Wirkung

Immer wieder besuchen Gruppen den Seehof. Vor zehn Tagen waren zum Beispiel Senioren aus Dachsen (siehe Kasten unten) zu Gast. Sie liessen sich von Ueli Hagen die Whisky-Herstellung erklären und degustierten anschliessend das 42-prozentige Destillat. «Sehr aro-matisch», «super gut», lauteten ihre Kommentare. Und die Wirkung liess nicht lange auf sich warten. Wenige Schlückchen reichten aus, um aus den Besuchern ein lustig-munteres Grüppchen zu machen.


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