Ueli Hagen gehört zu den Whisky-Pionieren in der Schweiz. Den ersten Hüttwiler Whisky kann man sogar schon probieren.
HÜTTWILEN - Drei Jahre liegt es zurück, dass Ueli Hagen das erste Mal Whisky gebrannt hat. Drei Jahre lang lagerte die edle Flüssigkeit im Eichenfass und im Keller des Seehofes. Nun darf er als Whisky bezeichnet werden. Ein Teil ist in Flaschen umgefüllt. «The Hüttwi-ler Whisky - very good Barley Brand made in Switzerland» steht auf dem Et-tiket. Zwei oder drei Whisky-Brenner gebe es in der Schweiz, schätzt der Landwirt vom Seehof. Diese Pionierta-ten auf dem Gebiet der Schweizer Whis-ky-Herstellung sind der Änderung des Alkoholgesetzes im Jahr 1999 zu ver-danken. «Vorher war das Brennen von Getreide, Kartoffeln und Gemüse verbo-ten», erläutert Ueli Hagen knapp. Als dieses Verbot fiel, absolvierte der Landwirt einen Kurs zur Whisky-Herstel-lung an der Hochschule Wädenswil.
Preislich habe man mit Schweizer Spirituosen keine Chance im Vergleich zum Ausland. Deshalb sieht der Familienvater seine Chance in der Erstellung von Spezialitäten. Und Schweizer Whisky - eine Rarität an sich - wird man wohl dazu zählen dürfen.
Ungewöhnliche Ideen muss man haben: Ueli Hagen vom Seehof stellt Hüttiler Whiskey her
Brennerei in der dritten Generation
Ueli Hagen ist nicht allein Landwirt, er betreibt auch eine Lohn- und Gewerbe-Brennerei in der dritten Generation.Rund drei Monate des Jahres wird «geschnapst» und das zu 95 Prozent für andere Landwirte. Für sie macht er aus Pflaumen, Trauben oder Himbeeren Alkohol. «Früher war das Medizin, auch für die Tiere», erklärt er. Er selbst destilliert für sich vor allem Pflaumenschnäpse. Seit kurzem kann er das mit einem nagelneuen Destillationsapparat tun.
Und nach der Gesetzesänderung von 1999 gehört auch ein Rüeblischnaps in sein Programm. «Das ist noch schwierig», erklärt er, denn die Rüebli hätten nicht so viel Zucker. Den Geschmack beschreibt er als «erdig, ungewöhnlich». Zucker braucht es zum Brennen - auch beim Whisky. Für den nimmt Ueli Hagen Gerste als Rohstoff. Er lässt sie, um die Stärke des Getreides in Zucker um-zuwandeln, ankeimen. Dieser Prozess werde jedoch bald unterbrochen.
Das angekeimte Getreide wird getrocknet, gemahlen, wieder befeuchtet und schliesslich erwärmt - es entsteht Malz. Dem setze er Hefe zu und lasse ihn vergären, so Hagen. Danach wird destilliert. «Es entsteht zunächst ein klarer, durchsichtiger Getreide schnaps», erklärt der Familienvater, die Farbe nehme der Whisky bei der Lagerung im Eichenfass und bei Behandlung an. Um auf die gut 40 Volumenprozent zu kommen, wird schliesslich noch Wasser zugesetzt. Ueli Hagen entschied sich für Quellwasser aus der Umgebung.
Fein und leicht bekömmlich
«Fein und leicht bekömmlich» lautete das Ziel für den Hüttwiler Whisky. «Die Leute haben ihn gern», das konnte der Landwirt vor wenigen Tagen am Weihnachtsmarkt feststellen, auch viele Frauen würden den Geschmack des Hüttwiler Whiskys schätzen. Jedes Jahr hat Ueli Hagen nun Whisky angesetzt,der in seinem Keller lagert. Man darf also mit den Jahren auf immer älteren - besseren - Hüttwiler Whisky gespannt sein. Und das der seinen ganz eigenen Geschmack hat, wird unter anderem auch daran liegen, dass er in 50-Liter-Fässern aus heimischem Eichenholz seinen Geniessern entgegenreift. In Schottland seien zum Beispiel 230-Li-ter-Fässer üblich, weiss Ueli Hagen.Aber schliesslich wird in Hüttwiler nicht schottischer, sondern Schweizer Whisky hergestellt.Am Samstag, 14. Dezember, ist auf dem Seehof von 10 bis 16 Uhr «Tag der offenen Tür» mit Treberwurstessen und Whisky-Verkostung.