Ueli Hagen betreibt in Hüttwilen eine Lohn- und Gewerbebrennerei
HÜTTWILEN. Bei Ueli Hagen werden Birnen zu Williams und Gerste zu Whisky.In seiner Brennerei produziert er jährlich rund 3000 LiterSchnaps mit einem Alkoholgehalt von 42 bis 45 Prozent.
Die Familie Hagen bewirtschaftet in Hüttwilen, zu Füssen des See-rückens im Seebachtal, einen Bauernbetrieb. Der Weg zum Hof führt auf einem kleinen Sträss-chen vorbei am zugefrorenen Hüttwilersee. Im Sommer ist das Strandbad ein beliebter Treffpunkt für Sonnenanbeter aus nah und fern. In dieser idyllischen Gegend liegen die 20 Hektaren von Ueli Hagen und seiner Frau Verena, wo sie nach alter Tradition Milchwirtschaft, Ackerbau und Obstbau betreiben. Ein weiteres Standbein ist die Lohn-und Gewerbebrennerei.
Familientradition
1917 erwarb der Grossvater von Ueli Hagen die Brennkon-zession, die er seinem Sohn wei-tergab. Vor zwölf Jahren übernahm Ueli Hagen den elterlichen Betrieb und erwarb sechs Jahre später die Konzession. Bis letzten Herbst brannte Hagen auf dem 24-jährigen Brenngerät seines Vaters. «Dann musste ich mir die Frage stellen, ob ich aufhören möchte mit dem Brennen oder ein neues Gerät kaufen soll», sagt Hagen. Er entschied sich für einen neuen Brennapparat der deutschen Firma Jacob Carl, Göppingen, die Anlagen und Zu-Ueli Hagen mit seinem neuen Brebehör für Brauereien und Brennereien herstellt. Bei Hagens Anlage handelt es sich um eine holzbeheizte Wasserbadbrennerei mit einer Brennblase von 150 Litern Inhalt. Damit erzielt er Obstbrände von hoher Qualität: Kirsch, Zwetschgen, Williams oder Pflümli, sein Leiblingsschnaps. Die meisten von Hagens Bränden weisen einen Alkoholgehalt von 42 bis 45 Prozent auf. Der Destillations-prozess hat nichts mit Chemie zu tun. Die Destillation trennt den Alkohol in der vergorenen Mai-sche vom Wasser und konzentriert ihn. Für die Destillate werden ausschliesslich gesunde und reife Früchte aus der Region ver-wendet, das garantiert eine hohe Qualität, die sich auszahlt. Denn das Geschäft mit dem Schnaps läuft gut. «Die Nachfrage ist grös-ser, als ich anbieten kann», erklärt Hagen. Neben Sachwissen braucht es in der Brennkunst auch viel Geduld. Damit ein Schnaps rund und fein wird, muss er mindestens ein Jahr gelagert werden.
Ueli Hagen mit seinem neuen Brenn-Apparat
Genaue Buchführung
Mit der Revision der Verordnung zum Alkoholgesetz ergaben sich per 1. Juli 1999 markante Änderungen. Seit diesem Tag wird darauf verzichtet, inländische Brände mit hohen Einfuhrzöllen für ausländische Marken zu schützen. Mit 29 Franken pro 100 Liter Alkohol werden alle gebrannten Wasser einheitlich besteuert. Die Brennereien müssen der Eidgenössischen Alkoholverwaltung Auskunft über ihren Bestand geben. Somit trägt Hagen jeden Tropfen in ein Büchlein ein, die Inspektoren kontrollieren stichprobenweise. Für den Eigenverbrauch darf er jedoch
Whisky dank der Revision
Mit der Revision sind die Einschränkungen bei der Rohstoffpalette gestrichen worden. «Es dürfen sämtliche landwirtschaftliche Produkte wie Kartoffeln, Getreide oder Gemüse gebrannt werden, was früher verboten war», erklärt Hagen. Der Brennmeister hat die Chance wahrgenommen und brennt seither auch Whisky. Dazu lässt er spezielle Gerste, die er in Zukunft auch selber anpflanzen wird, in Mälzereien weiterverarbeiten, wo sie befeuchtet wird und zu keimen beginnt. Bei der Destillation wird der Maische den Alkohol entzogen. «Nach der Destillation wird der Whisky in Eichenfässer abgefüllt und mindestens drei Jahre gelagert», erklärt Hagen. Im Gespräch mit dem Schnapsbrenner zeigt sich, über welchen Sachverstand ein Brennmeister verfügen muss. Wer denkt, dass Schnapsbrenner Trinker seien, liegt falsch. Sie wissen worauf es ankommt: «In der richtigen Menge ist Schnaps sehr gesund», ist Hagen überzeugt. Zudem diene ein Schnaps nach dem Essen als «Magenräumer», lindere Krankheiten und sei einfach gut und gesund.